4. Die Zeit der Befreiungskriege

Der Feldzug 1813

Im Feldzug von 1813 teilten sich die thüringischen Truppen in drei Detachements. Das erste bildeten die aus Rußland zurückgekehrten Soldaten, die als Teil der Besatzung, in Danzig standen. Die zu einem Regiment vereinigten Reste aller Rheinbundtruppen standen unter dem Kommando des Obersten von Egloffstein. Am 4. Februar 1813 wurde ein Teil der Truppe, der unter Oberst von Heeringen gegen Dirschau vorrückte, aufgerieben und gefangengenommen. Die Reste des Regiments verblieben bis zur Kapitulation der Festung in Danzig und litten besonders unter den Seuchen und der Lebensmittelknappheit in der Stadt. Am 13. Dezember 1812 verließen die Thüringer die Stadt und bezogen in der Nähe Quartiere. Insgesamt erreichten Mitte Februar 1814 11 Offiziere, 25 Unteroffiziere und 79 Mann von den zum Feldzug 1812 ausgezogenen Kriegern wieder ihre Heimat. Am 14. Februar 1814 zog das Kontingent Weimars in die Stadt ein, bestehend aus 4 Offizieren, 5 Unteroffizieren und 17 Gemeinen. Am folgende Tag kamen in Gotha vom gotha-altenburgischen Kontingent 5 Offiziere und 50 Mann an.

Für den bevorstehenden Feldzug von 1813 erwartete Frankreich von den Mitgliedern des Rheinbundes neue Truppen. So stellten auch die sächsischen Herzogtümer Ende März 1813 ein neues Bataillon zur Ergänzung des Regiments der Herzöge von Sachsen aus allen Kontingenten auf. Unter dem Kommando des weimarischen Majors v. Linker bezog das Bataillon um Ruhla Quartiere und wurde, da es zu großem Teil aus Rekruten bestand, exerziert. Es war noch nicht mit scharfer Munition versehen und fühlte sich umgeben von französischen Truppen sicher, als es am 13. April von einem preußischen Husaren-Detachement überrumpelt wurde und in Gefangenschaft geriet. Das Bataillon wurde nach Altenburg gebracht und trat dort, einem Angebot des preußischen Generals v. Blücher folgend, geschlossen in preußischen Dienst. Im folgenden nahm das Bataillon an der Belagerung Glogaus teil und gehörte seit dem Waffenstillstandes zur Schlesischen Armee. Mit ihr kämpfte es in der Schlacht an der Katzbach, bei Wartenburg, Leipzig und Freiburg und zeichnete sich mehrmals rühmlich aus. Um die hohen Verluste des Bataillons auszugleichen, waren bereits seit dem Waffenstillstand Soldaten aus verschiedensten Ländern eingestellt worden. Im November 1813 wurden die schwachen Reste des Thüringer Bataillons in ihre Heimat entlassen.

Das Bataillons zeigte bis zum Waffenstillstand das buntes Bild der verschiedenen Uniformen der Kontingente der Herzöge von Sachsen. Erst während des Waffenstillstandes erhielt es neue Uniformen englischer Herkunft. Sie bestand aus dunkelblauen breitschößigen Röcken, roten Stehkragen, hellblauen Aufschlägen und hellgrauen Hosen. Dazu gehörten graue Mäntel mit Regenkragen.

Nach dem Übertritt des thüringischen Bataillons zu den Preußen forderte Napoleon ein komplettes neues Rheinbund-Regiment in der Stärke von 2800 Mann. Bis zum 6. August 1813 gelang es den Herzogtümern unter größten Schwierigkeiten ein Regiment zu formieren, das, unter dem Kommando des gothaischen Obersten v. Münch, die Stärke von 41 Offizieren und 2376 Mann erreicht hatte. Es bestand aus neu ausgehobenen unerfahrenen Soldaten. Überdies war ein großer Mangel an Offizieren aufgetreten, so daß u. a. pensionierte Offiziere wieder aktiviert werden mußten. Am 19. August 1813 erreichte das Regiment Magdeburg, wobei es durch Desertion bereits viele Soldaten verloren hatte. Die beiden Linien-Bataillone nahmen von dort aus an einem Streifzug gegen Berlin und dem Gefecht bei Hagelsberg teil, verloren hier jedoch 4 Offiziere und 60 Mann an Toten und 4 Offiziere und fast 900 Mann an Verwundeten und Gefangenen. Die Reste des Regiments blieben bis zum 13. November 1813 in Magdeburg, die Offiziere bis zum 16. des Monats, bis sie entwaffnet, z. T. der Ausrüstung und Bekleidung entledigt und in die Heimat entlassen wurden.

Der Anschluß an die Verbündeten

Nach der Schlacht bei Leipzig mußten sich die Franzosen bis über den Rhein zurückziehen und ließen nur die Besatzungen der von Ihnen besetzen Festungen zurück. Der Rheinbund löste sich auf und die einzelnen Staaten beeilten sich, den Verbündeten beizutreten. Die sächsischen Herzogtümer, zuerst als Feindstaaten betrachtet und unter die Verwaltung des russischen Generalgouvernements gestellt, schlossen sich am 24. November 1813 offiziell dem antifranzösischen Bund an. Nach preußischem Vorbild sollten nun auch Landwehr- und Freiwilligenverbände neben den Linientruppen aufgestellt werden. Die Verbündeten forderten von Sa.-Weimar je 1 Bataillon zu 800 Mann Linien-Infanterie und Landwehr, dasselbe von Sa.-Gotha-Altenburg sowie auch gemeinsam von Sa.-Coburg, Sa.-Meiningen und Sa.-Hildburghausen, wobei Coburg für jedes Bataillon 3 Kompanien (1) zu stellen hatte, Meiningen und Hildburghausen je 1 Kompanie. Dabei entfielen auf Coburg 400, Meiningen 300 und Hildburghausen 200 Mann, desgleichen bei der Landwehr. Diese Formation der Truppen der Herzöge von Sachsen sollte bis zum Ende des Feldzuges von 1815 bestehen bleiben. Doch zeigt schon die Rangliste des Coburg-Meiningen-Hildburghäuser Regiments Veränderungen. 1815 formierte sich das Regiments zu zwei Bataillonen. Das
1. Bataillon bestand aus der Grenadier- und zwei Füsilierkompanien Coburgs, das 2. Bataillon setzte sich aus drei Füsilier-Kompanien aus Meiningen und zwei Grenadier-Kompanien aus Hildburghausen zusammen. Es verfügte über eine starke Musik, nämlich 10 Hoboisten aus Hildburghausen, 17 aus Coburg und 9 aus Meiningen. 1815 wurde für dieses Regiment das sächsische Exerzierreglement eingeführt.

Außerdem konnten Sa.-Weimar und Sa.-Gotha-Altenburg ein gemeinsames Bataillon freiwilliger Jäger zu Fuß und eine Eskadron freiwilliger Jäger zu Pferd bilden. Die anderen drei Herzogtümer bildeten eine gemeinsame Kompanie freiwilliger Jäger zu Fuß, zu der Sa.-Coburg 109 Jäger, Sa.-Meinigen 64 Jäger und Sa.-Hildburghausen 33 stellte, 1815 in ähnlicher Stärke.

Zu den freiwilligen Jägern zu Fuß stellte Weimar 4 Offiziere und 102 Unteroffiziere und Mannschaften, Gotha-Altenburg 4 Offiziere und ca. 100 Mann. Die freiwilligen Jägern zu Pferd formierten 4 Offiziere und 57 Unteroffiziere und Jäger aus Weimar und 2 Offiziere und ca. 70 Mann aus Gotha.

Die Linie: An der Uniformierung des Bataillons Linien-Infanterie änderte sich in Sa.-Weimar im wesentlichen nichts.

Sa.-Gotha-Altenburg: 1814/15 trugen die Infanteristen ein dunkelblaues Kollett mit ponceauroten Schoßumschlägen, brandenburgischen Aufschlägen, Achselklappen und Kagen. Die ebenfalls roten Rabatten im Schnitt der Ulanen wurden geschlossen getragen, nur zu Paraden geöffnet und mit sieben Knöpfen auf jeder Seite festgehalten. Ein Tschako mit weißen Fangschnüren und Kordons bildete die Kopfbedeckung. Er war mit einem rot-weißen Pompon versehen und einer schwarz-grün-gelben Kokarde, zu Paraden außerdem mit einem weißen Stutz, bei den Spielleuten war dieser rot. Die Hosen waren dunkelblau mit roten Streifen an der Seite, auch kamen weiß-leinene Hosen vor.Weiterhin verfügte der Soldat über einen grauen Mantel, schwarze Gamaschen und Schuhe. Die Spielleute trugen eine gelbe Borte am Kragen, um die Rabatten, die Ärmelaufschläge und die roten Schwalbennester, die Hauteboisten außerdem daran noch goldene Fransen. Der Trommelkörper war gelbmetallen, der Rand rot-weiß gezackt. Die Unteroffiziere hatten eine gelbe Borte am oberen Tschakorand, die Fouriere und Feldwebel rote Fransenepauletten und ihrer Charge entsprechend eine Anzahl von goldenen Tressen am Unterarm. Der Bataillons-Tambour trug eine Bärenfellmütze mit rotem Beutel, goldenen Behängen und rotem Stutz. Sein Bandelier war rotseiden mit Goldborte besetzt und mit einer Halterung für die Schlegel versehen. Er trug Stiefel mit Troddeln und ungarische Hosen. Die Sappeure besaßen ein weißes Schurzfell, Stulpenhandschuhe, rote Epauletten und ebensolche Stutze. Die Stabsoffiziere trugen den Hut mit weißem Federbusch und goldener Stickerei. Die Uniformen der Linie sollen 1814 recht mitgenommen gewesen sein, 1815 war dieser Zustand eher noch schlimmer. Es wurden zum Teil auch hellblaue Feldmützen getragen. Das gotha-altenburgische Kontingent erhielt Ende Februar 1814 in Brüssel neue englische Gewehre.

Sa.-Coburg, Sa.-Meiningen, Sa.-Hildburghausen: Zur Uniform des Linienregiments wurde für alle drei Kontingente die von Coburg bestimmt, also die bekannten grünen Röcke mit gelben Abzeichen, roten Schoßumschlägen, hellblauen Hosen und Tschakos mit grünen Behängen. Die Abzeichen der Offiziere waren silbern. Vermutlich trugen die Offiziere die silbern-rote Schärpe und eine ebensolche Kokarde, jedoch keinen Ringkragen. Für die Mannschaften käme dann die weiß-rote Kokarde in Betracht.

Sa.-Coburg verfügte über eine Grenadier-Kompanie, deren Uniformierung bereits oben beschrieben ist. Ob die Grenadier-Kompanien Hildburghausens 1815 ebenso uniformiert waren, ist unbekannt. Zumindest dürften sie, wie auch nach den Befreiungskriegen, statt der Bärenfellmütze nur den wesentlich billigeren Tschako getragen haben.

Die Landwehr:

Sa.-Weimar: Die Elberfelder Bilderhandschrift hat einen Landwehrmann überliefert, der ein dunkelgrünes Kollett mit dunkelgrünem Kragen, eine ebensolche zweireihig geknöpfter Rabatte und gelben Schoßumschlägen trägt. Als Besonderheit kann der weiße Vorstoß an den gelben Kragenpatten angesehen werden. Die Uniform des Landwehrmannes zeigt grüne, gelb vorgestoßene Schulterklappen, die Knöpfe waren gelb. Als Kopfbedeckung dient ein schwarzer Tschako mit gelb-grüner Kokarde und einem gelben Landwehrkreuz. Die Hosen sind weiß dargestellt, die Gamaschen schwarz, ebenfalls das Lederzeug.(2)

Sa.-Gotha-Altenburg: Die Aufstellung der Landwehr erfolgte auf Befehl des russischen General-Gouvernements und fand in Sachsen statt. Erst das fertige Bataillon marschierte nach Thüringen. Folgende Vorschriften zur Bekleidung der Landwehr wurden erlassen:

"Vorschrift zur Bekleidung der Landwehr.

Bei der abgefaßten Vorschrift über die Bekleidung der Landwehr hat das hohe General-Gouvernement vorzüglich Zweck und Ersparnis berücksichtigt. Es sind daher dunkelblaue Röcke und runde Hüthe gewählt worden, indem fast jedermann einen blauen Rock und runden Huth bereits besitzt, welchen leicht und mit wenig Kosten verschiedene Formen gegeben werden können.

Der Huth wird bei der Cavallerie auf der rechten; bei der Infanterie aber auf der linken Seite aufgekrempt, und daselbst ein gelber Metallknopf, das Kreuz und die Nationalkokarde angebracht.

Da die aufgekrempte Seite des Huthes etwas höher seyn muß als die übrigen, so kann daselbst etwas Filz angestickt werden.

Die Landwehrmänner tragen schwarze Halstücher.

Der Rock ist dunkelblau mit 2 Reihen gelber Knöpfe, welche 3 Zoll auseinanderstehen, so lang herunter versehen, um den ganzen Unterleib hineinknöpfen zu können, mit einem etwas zurücklaufend stehenden Leistenkragen, und runden Aufschlägen.

Die Rockschöße bedecken vollkommen den Hintern, haben Falten und Taillenknöpfe; und sind vom letzten Knopf der vordersten Reihe etwas zurückgeschnitten, die vordersten Theile dieser Schößen zurückgeschlagen, kramoisinroth vorgestoßen und aufgenäht. Auf den Schultern sind Achselklappen, worauf die No. des Bataillons angebracht werden kann.

Die Achselklappen sind nach der Farbe des Kreises die Kragen und Aufschläge kramoisinroth. Auf jedem Rockschoß ist eine Quertasche mit Klappen, damit das Wasser nicht hinein läufft, desgleichen auf der linken Brust eine nach der Schulter laufende Tasche, mit einem Knopf in der Mitte.

Die Stelle von den Schultern vorn herunter bis unter den Arm, ist mit einem gleichfarbigen Stück Tuch besetzt.

Jeder Landwehrmann hat eine paar lange, bis an die Knöchel hinunterlaufende graue Tuchhosen. Unten sind sie eingefaßt, und mit einem Band oder Schnur durchzogen, um sie fest- oder auch aufbinden zu können. An jeder der äußren Seiten der Hosen an der Nath ist eine lang heruntergeschnittene tiefe Tasche angebracht.

Jedem Landwehrmann ist es unbenommen, den untern Theil der Hosen bis auf 6 und 8 Zoll aufwärts mit Leder zu besetzen.

Die Beinkleidung der Füße besteht in Schuhen und bis auf die Wade heraufgehenden Gamaschen von schwarzem Tuch oder Leder. Auch können sie weiße oder graue Leinwand-Gamaschen tragen.

Bei der Cavallerie Stiefeln nach Art der Chevauxlegers oder Husaren.

Jeder Mann hat ein paar Fausthandschuhe von Wolle, Tuch oder Pelz, welche an einer Schnur über die Schultern hängen, desgleichen einen Mantel mit Aermeln, welcher unter den Knieen abschneidet. Am hintern Theil des Mantels sind zwei Klappen mit Knopf und Knopflöchern, um durch Knöpfen dieser Klappen die nöthige Weite des Mantels zusammenzuziehen, und den Mantel um den Leib anzuschließen.

Das Lederzeug ist bereits vorgeschrieben.

Jeder Mann hat einen leinwandenen Brodsack und einen Tornister oder Mantelsack von Tuch oder Leder; welcher bei der Infanterie an zwei über die Schultern laufenden Riemen zwischen den Schultern getragen wird.

Jeder Cavallerist ist womöglich sogleich mit einem Säbel zu versehen.

Die Unteroffiziere haben gleichen Anzug mit den Gemeinen, jedoch tragen sie bestimmt ein Seitengewehr mit einer Degenquaste von der Nationalfarbe.

Zur Unterscheidung der Grade hat

der Korporal 1 Litzen von
der Sergeant gelber Borde u. Junker 2 auf dem Kragen
der Feldwebel 3 4 Zoll lang.

Auch ist den Feldwebeln und Fahnenjunkern unbenommen, silberne Degenquasten zu tragen.

Die Kleidung der Offiziere ist im Dienst dieselbe, wie die der Gemeinen, von beliebig feinem Tuch. Die Achselklappen sind mit schmalen Tressen von der Nationalfarbe eingefaßt. Um die Hüthe werden die Huthkordons auf eine geschmackvolle Art gewunden. Das Tragen der Epauletten wird wegen der Ausgabe und Unbequemlichkeit nicht eingeführt: damit jedoch die Offiziere der Landwehr ja nicht wähnen können, als sey des Entbehren der Epauletten eine Zurücksetzung gegen die Offiziere in der stehenden Linien-Armee, welche die Epauletten vor der Hand noch haben, so werden Feldbinden nach der Nationalfarbe von Seide, bei den Staabsoffizieren auch beliebig von Silber eingeführt. Die Staabsoffiziere tragen lange Röcke und dreieckige Hüthe.

Zur Unterscheidung der Grade hat

der zweite Lieutenant 1 goldene
der erste Lieutenant 2 Litzen auf
der Hauptmann, 3 dem
der Major, 1 Kragen,
der Oberstlieuten. 2 4 Zoll
der Oberst, 3 lang.

Die Staabsoffiziere noch eine 1½ Zoll breite goldene Tresse um den Kragen. Außer Dienst ist es den Offizieren erlaubt, farbige Unterkleider, lange Röcke und dreieckige Hüthe zu tragen.

Die Anschaffung der Fahnen werden die Kreise besorgen, und die gut deutsch gesinnten Weiber und Mädchen im Kreise, werden sich beeifern, diese Fahnen nach beliebigen vom Kreise zu wählenden Mustern, worinnen jedoch der Sächs[ische] Rautenkranz und die Krone in den Fürst[lich] Altenburg[ischen] und Reußischen Landen, das Herzoglich Gothaische und Fürst[lich] Reußische Wappen die Hauptzierde seyn müssen, eigenhändig zu sticken, und sie am Tage der Einweihung mit der ihnen und dem großen Zweck würdigen Feyer denen deutschen Männern zu überreichen, welche sich mit Gott für Tugend, Vaterland und den Schutz der Aeltern, Weiber, Kinder und Brüder schlagen wollen.

Die Farben der Fahnen sind die Nationalfarben, abwechselnd.

Die Nationalfarben werden noch bestimmt werden.

Leipzig, am 8ten Novbr. 1813.

Auf Befehl Sr. Exzellenz des Herrn General-Gouverneurs Fürsten Repnin der Chef des Generalstaabs,

Generalmajor von Vieth."

___________

"Leipzig am 24sten Novbr. 1813.

Es sind von dem Central Ausschusse des Thüringer Kreisses zwey freywillige Landwehrmänner, einer von der Kavallerie und einer von der Infanterie, völlig equipirt und armirt vorgestellt worden.

Diese haben mir Gelegenheit gegeben die Hochlöb[lichen] Centralausschüsse, vorzüglich auf folgende Puncte bey der Bekleidung und Armirung der Mannschaften aufmerksam zu machen:

1.) Die Röcke müssen vorzüglich weit über die Brust in den Aermeln seyn, damit sich der Mann frey bewegen kann.
2.) Die Quertaschen müssen so angebracht seyn, daß der Mann bequem, auch wenn er das Lederwerck umhängen hat, mit der Hand hinein kann.
3.) Das doppelte Tuch auf der Schulter ist bey der Cavallerie gar nicht nöthig, und muß bei der Infanterie breit seyn, und bis unter die Arme gehen.
4.) Die Röcke bey der Cavallerie müssen nicht länger seyn, als daß sie nur den Hintern bedecken.
5.) Bei den Ueberhosen der Cavallerie ist vorzüglich darauf zu sehen, daß sie recht weit im Schritt, lang, mit Strippen und Lederbesatz versehen sind.
6.) Die Mäntel der Cavallerie müssen länger als die der Infanterie und unten sehr weit sein, damit sie wenn der Mann zu Pferde sitzt den Mantelsack bedecken.
7.) Die Aufklappe des Hutes braucht nicht so hoch zu seyn, als der Kopf; die Kokarde kommt dann oben an die Ecke des Huts mit einer Agraffe versehen, welche soweit herunter geht, daß der Knopf auf der Mitte der Aufklappe sitzt.

Das Kreutz, welches aber nicht die Form eines Ordens Kreuzes, sondern die eines Krucifixes haben muss, soll vorn befestigt werden, da man gefunden hat, daß der Hut sonst zu leer aussieht.

Die Hüte müssen überdieß mit Bataillon Bändern versehen seyn.

Der Chef des Generalstabs der Landesbewafnung

Jn. serat:
8.) Wegen dem Lederwerck der Infanterie und Cavallerie erwarte ich noch die Anzeige der Hochlöb[lichen] Centalausschüsse, ob sie solches selbst anschaffen, oder von dem Generalstab für die schon überschickten Preise, geliefert haben wollen. Im Fall es die Kreisse selbst anschaffen, so wird eine Probe, auf welche Art es gefertigt werden muß, von dem Generalstab eingeschickt werden."(3)

1815 wurde die Landwehr neu eingekleidet und zog mit Tschakos in den Feldzug.

Sa.-Coburg, Sa.-Meiningen, Sa.-Hildburghausen: Die Landwehr war mit grünen Litewken und seitlich hochgeschlagene Hüten bekleidet. Knötel bezeichnet die Hüte als schwedische, doch richten sie sich wohl eher nach der obenstehende Vorschrift. Eine Darstellung des coburgischen Landsturms zeigt schwarz uniformierte Männer mit gelben Abzeichen. Die Hüte sind in oben beschriebener Weise hochgeschlagen und mit einem gelben Band versehen, ähnlich dem der weimarischen Kasketts von 1806. Sie tragen eine Art schwarzer Litewka, gelb vorgestoßen, so wie auch der Kragen. Auf den Achseln befinden sich gelbe Aufschläge aus Kordelschnur. Die schwarzen Hosen zeigen eine dreifache hellgrüne Biese. Das Lederzeug ist schwarz, die Bewaffnung reicht von der Büchse über das Gewehr, die Pike bis hin zur Axt.

Die freiwilligen Jäger:

Sa.-Weimar: 1814 trugen die freiwilligen Jäger zu Fuß eine dunkelgrüne Litewka mit gelben Kragen und grünen Aufschlägen gelb vorgestoßen, dazu rote Achselklappen. Der schwarze Tschako hatte eine schwarz-gelb-grüne Kokarde und ein gelbes Kreuz. Bewaffnet war der Jäger mit einem Hirschfänger und einer Büchse, dazu trug er eine Patronentasche mit gelbem Beschlag: gelbmetallener Namenszug CA mit Fürstenhut. Das Lederzeug war schwarz, der Tornister braun, die Mantelrolle grau. Die Hosen dürften grau gewesen sein, dazu leinene Gamaschen. Die Offiziere waren entsprechend uniformiert, jedoch trugen sie Epauletten mit roten Feldern, goldenem Halbmond und gelben Passanten sowie gelbe Aufschläge. Sie waren mit einem Säbel an schwarzem Koppel bewaffnet. Die Jäger zu Pferd uniformierten sich schwarz, sehr ähnlich dem Lützower Freikorps. Der Kragen und die Litewka waren gelb vorgestoßen. Sie trugen gelbe Epauletten aus geprägten Messingschuppen ohne Fransen. Der Tschako mit gelbem Kreuz hatte einen Roßhaarschweif als Stutz. Die Hosen zierte eine breite gelbe Biese. Die weißlichen Fellschabracke hatten einen schwarz-gelben Rand, dazu eine graue Mantelrolle mit gelbem Rand. Das Lederzeug war schwarz und auf der Kartusche befand sich der gelbmetallene Beschlag CA mit Fürstenhut.

Das Selbstbildnis von Adam Weise (4) , Jäger zu Fuß, gibt ein etwas anderes Bild: dunkelgrüne Litewka, gelber offener Kragen, schwarze, weiß vorgestoßene Halsbinde. Die Achselklappen sind rot, die Aufschläge in Rockfarbe, gelb vorgestoßen. Die Knöpfe erscheinen gelb und das Lederzeug schwarz. Am Patronentaschenbandelier ist ein goldenes Pulverhorn befestigt, das zusätzlich durch eine gelbmetallene Kette, die ihrerseits an einem rosettenartigen Beschläg unter der Achselklappe hängt, gehalten wird. Weise zeigt sich mit einer Büchse bewaffnet. Am Hirschfänger ist ein breites grünes Portepee mit goldenen Rändern zu sehen, am Tschako eine grün-schwarz-rote Kokarde. Das Bild stammt vom Juli 1814 und ist daher höchst beachtenswert.

1815 wurden die Freiwilligen in das 2. Bataillon eingereiht, trugen dessen Uniform, jedoch mit gelben Achselklappen und gelben Fangschnüren am Tschako.

Sa.-Coburg, Sa.-Meiningen, Sa.-Hildburghausen: Die Freiwilligen Jäger der 3 Herzogtümer bildeten eine Einheit und waren mit grünen Röcken mit roten Aufschlägen und gelben Borten uniformiert. Die schwarzen Tschakos hatten grüne Behänge und eine weiß-rote Kokarde, dazu wurden graue Hosen mit grünem Besatz und Reitstiefel getragen. Die Offiziere legten silberne Epauletten und Achselschnüre, eine silbern-rote Schärpe und eine gleichfarbene Kokarde an. 1815 gibt eine Beschreibung der Uniformen folgende Angaben: "Büchse, Hirschfänger, grauer Tuchmantel mit grünem Kragen, graue Tuchhosen mit grünen Streifen, Reitstiefel, güne Tuchmütze mit beschlagenem Schild, Feldflasche aus Kürbis, Tornister, Tschako." (5)

Fahnen:

Sa.-Weimar: Am 28. Januar 1814 erhielt die Eskadron freiwilliger Jäger zu Pferd von der Erbprinzessin Maria Pawlowna eine gestickte Standarte. Sie war aus schwarzem Tuch und ringsum mit goldenen Verzierungen versehen. In der Mitte hatte sie ein goldenes Landwehrkreuz im Strahlenkranz mit der Inschrift "Mit Gott für Fürst und Vaterland 1813".

Sa.-Coburg besaß 1807 noch eine Fahne der Landmiliz-Kompanie Neustadt, die nach deren Auflösung 1804 wahrscheinlich von der Grenadier-Kompanie getragen wurde, jedoch nicht beim Rheinbund-Regiment. Als das ganze coburgische Kontingent 1814 ausrückte, nahm es auch die Fahne mit. Am 9. Februar 1814 erhielt auch das 2. (Landwehr) Bataillon von der Herzogin-Witwe eine Fahne, die nach dem Feldzug 1815 auf die Feste Coburg gelangte. Das Aussehen der Fahnen ist nur wage überliefert, die alte Fahne aus dem Jahre 1793 soll von weißem Tuch gewesen sein und das sächsische Herzogswappen gezeigt haben. Die Fahne des Landwehr-Bataillons war aus rotem Tuch. Denkbar ist, daß sie das Landwehrkreuz trug. Am 21. Juni 1814 erhielt sie ein rotes Band mit der gestickten goldenen Inschrift "Caroline", das bei Abgabe der Fahne 1815 dann die Fahne des 1. Bataillons erhielt. Diese hatte bereits am 2. Juli 1814 eine grünseidene Schleife erhalten, auf die Goldplättchen aufgenäht waren.

Sa.-Hildburghausen: Das Kontingent besaß seit 1807 zwar eine Fahne, die jedoch nicht mit ins Feld genommen wurde und über deren Aussehen nichts bekannt ist.

Die Feldzüge 1814 und 1815

Sa.-Weimar und Sa.-Gotha-Altenburg: Am 8. Dezember 1813 wurde Carl August von Sa.-Weimar zum russischen General der Kavallerie ernannt, nachdem er bereits einige Tage vorher mit dem Kommando des III. deutschen Bundeskorps betraut worden war. Seinem Korps unterstanden neben dem königlich sächsischen Kontingent auch die Weimars und Gotha-Altenburgs sowie die einiger anderer kleiner Fürstentümer. Carl August erließ im Januar 1814 an diese Kontingente Marschorder und gleichzeitig Instruktionen. Danach mußten für jeden Soldaten zusätzlich zu den Patronen am Mann 60 Schuß auf Munitionswagen mitgeführt werden. Alle Hauptleute waren während der Märsche berechtigt zu reiten und erhielten entsprechende Portionen. Anstelle der bisher üblichen französischen Abzeichen der Offiziere und Unteroffiziere hatten sie neben der Kokarde auch die Abzeichen der Königlich Sächsischen Armee zu tragen. Darüber hinaus sollten die weimarischen Kriegsartikel für das gesamte Korps gelten.

Das III. Bundeskorps nahm an den Kämpfen auf dem niederländisch-belgischen Kriegsschauplatz teil, vornehmlich fanden die Kontingente bei den Belagerungen Verwendung. Nach dem Abschluß der Kampfhandlungen marschierten die Landwehr und die freiwilligen Jäger zurück nach Thüringen. Das Jägerkorps wurden nach seiner Ankunft am 21. Mai aufgelöst. Die Landwehr erhielt in Eisenach Garnison. Nachdem am 8. Juli auch das Linien-Bataillon in Weimar eingerückt war, kam der Befehl, aus Kostengründen das Linien-Bataillon in Weimar auf 150 Mann und die Landwehr in Eisenach auf unter 100 Mann zu reduziert. An Stelle der im Winter 1814/15 aufgelösten Landwehr trat ein 2. Linien-Bataillon. Die gotha-altenburgischen Truppen marschierten in gleicher Abfolge nach Gotha zurück, jedoch erreichte das Linien-Bataillon erst am 1. August 1814 Gotha. Von dort marschierten die 3. und 6. Kompanie in ihre Garnison nach Altenburg. Die Bataillone blieben weiterhin auf Kriegsfuß, trotzdem wurden eine größere Zahl von Soldaten beurlaubt.

1815 gehörten die weimarischen und gotha-altenburgischen Bataillone zur thüringisch-anhaltinischen Brigade des norddeutschen Bundeskorps. Das 1. Bataillon Weimar rückte am 3. April aus, das 2. erst am 4. Juni. Zwei Kompanien des Bataillons wurden durch Freiwillige gebildet. Die Brigade unter dem nunmehrigen Generalmajor v. Egloffstein wurde u. a. zu den Belagerungen von Montmédy und Mezières verwandt. Im November erfolgte der Rückmarsch nach Thüringen. Das 1. Bataillon erreichte am 1. Dezember 1815 seine Garnison Weimar, das 2. Bataillon war bereits am 29. November in Eisenach eingetroffen.

Das Linien-Bataillon Gotha-Altenburg marschierte am 7. April 1815 aus, das Landwehr-Bataillon mußte erst mobil gemacht werden und folgte am 19. Mai. Anfang Dezember kehrte das Kontingent Gotha-Altenburgs zurück. Noch vor dem Einmarsch in Gotha am 5. Dezember 1815 wurde am 4. Dezember das Landwehr-Bataillon aufgelöst, die Altenburger Kompanien dorthin dirigiert und die Beurlaubten entlassen.

Sa.-Coburg, Sa.-Meiningen und Sa.-Hildburghausen: Das 5. Bundeskorps wurden unter den Befehl des Herzogs von Sa.-Coburg, als russischem General der Kavallerie, gestellt. Diesem Korps waren neben anderen die Kontingente Sa.-Coburgs, Sa.-Meiningens und Sa.-Hildburghausens zugewiesen worden, die zusammen ein Regiment formierten. Dieses bildete einen Teil des Belagerungskorps vor Mainz, wo es Mitte Februar 1814 preußische und russische Truppen ablöste. Hier blieb es bis zur Übergabe der Festung im Mai 1814. Die Bataillone der 3 Herzogtümer kamen im Juni/ Juli 1814 wieder in ihrer Heimat an, die Jäger wurden sofort aufgelöst, die Linie beurlaubt und die Landwehr ebenfalls entlassen, jedoch die coburgische Landwehr erst im September 1814.

Im Feldzug von 1815 nahm das Regiment an wesentlichen Kampfhandlungen nicht teil. Es marschierte am 13. Juli von Coburg aus zur Blockade von Schlettstadt aus. Am 20. Dezember erreichten die Thüringer wieder ihre Garnisonen, die Mannschaften wurden größtenteils sofort beurlaubt.


(1) Nun marschierte auch die Grenadier-Kompanie aus.

(2) Vergl. Herrmann, Das III. u. IV. dt. Bundeskorps.

(3) Thüringisches Staatsarchiv Greiz, Landesregierung Greiz a. Rep. A Kap. VIII/3 Nr. 4, Bl. 13-20.

(4) Staatliche Gelerie Moritzburg, Halle. 5 Lantz, Bd. 1, S. 179.



 
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